Kammern des Schreckens

Sonntag, 1. Dezember 2013

Snack für zwischendurch

Ulrike Bliefert: Bitterherz


Ninas beste Freundin Sophie wird entführt. Zudem findet sie alle Kaninchen Kaprolaths, bei dem sie lebt, ermordet in ihrem Stall vor. Verdächtigt wird ihr neuer Freund Timo, der gerade auf Bewährung draußen ist.
Schritt für Schritt kommt Nina hinter die Geheimnisse, die ihre Nahestehenden hüten.

Es handelt sich hierbei um einen Thriller für Jugendliche. Das sagt einem ja schon, dass er nicht sonderlich „thrillerhaft“ sein kann – wirkliche Angst, Gänsehaut, Zähneklappern tun sich beim Lesen nicht auf. Spannend ist es jedoch ungemein! Ich gehöre, mit vielen anderen Buchbloggern verglichen, vermutlich eher zu den Langsamlesern, trotzdem habe ich nur wenige Stunden für Bitterherz gebraucht. Dabei dachte ich mir nur: „Laura, nimm dir eine Auszeit von den Klassikern, irgendwann brummt dir nur der Schädel. Lies mal wieder irgendein Jugendbuch.“

Die Charaktere sind im Allgemeinen nicht sonderlich überraschend. Im Grunde hat keiner ein perfektes oder normales Leben. Jeder hat irgendeine Leiche in seinem Keller – mehr oder weniger. Besonders mag ich die Figur Kaprolath – ein ehemaliger Schiffskoch, der sich zur Gewohnheit gemacht hat, wichtige Aussagen auf Russisch zu unterstreichen. Ich mag es, wenn Autoren sich so außergewöhnliche Figuren ausdenken.

Mir gefiel jedoch vor allem die Sprache der Jugendlichen nicht sonderlich, was zwei Gründe haben könnte: Entweder ist die Autorin zu alt, um zu wissen, dass heutzutage kaum noch ein Teenager „Kapiert?“ sagt (auch nicht 2011), oder in Berlin, wo sie lebt, ist das anders. Jedenfalls finde ich, dass auch solche Kleinigkeiten schnell dazu beitragen, dass die Dialoge weniger authentisch wirken. Ich hab mich schon früher immer darüber geärgert, wie Autoren im besten Alter sich die Jugend heutzutage vorstellen – sie bedienen sich meiner Meinung nach zu vieler Klischees.

Das Cover gefällt mir sehr, mit den stimmigen Farben und der netten Idee mit den Johannisbeerherzen. Vom Titel lässt sich zwar nicht wirklich auf den Inhalt schließen (ohne übermäßige Interpretationen), aber Bitterherz klingt gut und deutet auch irgendwie an, dass die Geschichte eine Liebe mit Hindernissen beinhalten wird.

Ich weiß nicht, ob das noch nachträglich verbessert wurde (bei mir liegt die erste Auflage 2012 vor), aber es gab auch ein wenig Verwirrung meinerseits, was das Schriftbild angeht: Wenn aus Sophies Perspektive erzählt wird, ist kursiv geschrieben. Ein paar Abschnitte aus ihrer Perspektive sind dann zwischendurch doch nicht mehr kursiv, sodass man zuerst denkt, es wird wieder aus Ninas Sicht erzählt. Das hat den Lesefluss ein wenig gestört.

Abschließend noch etwas Positives: Viele zentrale Themen werden aufgegriffen, ohne dass die Handlung überladen wirkt. Insgesamt hat man also ein abwechslungsreiches und somit unterhaltsames Leseerlebnis.

Fazit: Kein literarisches Meisterwerk, aber ein guter Snack für zwischendurch!


(Quelle: arena)