Kammern des Schreckens

Samstag, 28. Dezember 2013

Großstadtkraut meets Provinzgewächs

Sarah Heumann: High Heels im Hühnerstall




Anna liebt ihr Großstadtleben in Berlin. Als sie jedoch erfährt, dass ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrügt, zieht es sie zu ihrer Tante. Aufs Land. Zwischen Hühnerkacke und randalierenden Schweinen steht Annas Leben Kopf und schließlich muss sie eine Entscheidung fällen. Zurück nach Berlin, oder für immer die Provinz?
High Heels im Hühnerstall ist Sarah Heumanns Debüt. Die Autorin kann locker mit Gier und Co. mithalten.  Man ist sofort mitten im Geschehen, so wie die Protagonistin Anna, und verliebt sich in Untergrasbach, wo jeder Einwohner seine Macken hat und doch absolut liebenswürdig ist. Mit viel Phantasie und einem wundervollen Humor, der direkt meine Lachmuskeln trifft, bezauberte mich diese doch etwas kitschig anmutende Geschichte. Kitsch ist hier jedoch erlaubt. Wer will schon ständig über Mord und Totschlag lesen, oder sich die Seele aus dem Leib heulen, weil ja alles so wunderbar traurig ist? Ich jedenfalls habe in diesem Roman eine gelungene Abwechslung gefunden. 

Die Figuren sind lebhaft und mit Liebe konstruiert. Jede an sich ist speziell und passt trotzdem perfekt als Zahnrädchen in das Dorfgehäuse hinein. Da treffen lustige Dialekte auf so typische Sätze, dass sie gar untypisch wirken. Beispielsweise tadelt die Dorfpastorin stets mit den Worten: "Das elfte/zwölfte Gebot lautet soundso ... "

 Ich mag diese Eigenheiten, weil sie mich an die Buddenbrooks erinnern. Thomas Mann hat bekanntlich auch von solchen fast schon albernen, aber meiner Meinung nach höchst unterhaltsamen, Techniken zur Figurenentwicklung Gebrauch gemacht. Dieses Spiel mit Dialekten, Sprachfehlern und adoptierten Redensarten finde ich einfach nur herrlich. 
Ich will hiermit nicht sagen, dass High Heels im Hühnerstall in einigen Jahren zur Pflichtlektüre im Deutsch-LK würde, aber ausdrücken, dass Heumann wirklich talentiert scheint. 


Die Kapitel haben teilweise Namen, bei denen man herzlich lachen muss (wenn man denn denselben Humor hat wie ich). Da gibt es eines, welches folgendermaßen betitelt ist: Tante ante Bahnsteigkante
Wortspiele wie dieses sind in dem Roman keine Seltenheit und genau mein Geschmack.


Das Cover erinnert (zufällig) an die Sendung "Bauer sucht Frau".  Wer kennt sie nicht? Ist doch eine nette Idee, die unterstreicht, wie klischeehaft, aber auch lustig der Roman ist. Wie strohdoof manche Figuren einem vorkommen. Und wie überraschend eben doch.

Ich habe tatsächlich nichts zu meckern. Meine Erwartungshaltung war sehr niedrig, eben weil es ein Debüt und die Aufmachung so kitschig ist - klar wurden die Erwartungen übertroffen. Mehr noch; High Heels im Hühnerstall hat mir maßlose Freuden beschert!
Ich würde sagen, dass ein Folgeband unumgehbar ist! Unbedingt möchte ich mehr Geschichten aus Untergrasbach lesen. Frau Heumann, wenn Sie das hier lesen: Sie wissen, was zu tun ist!

Fazit: Ein perfekter Gute-Laune-Roman, der den Wunsch weckt, sofort das nächste Dorf aufzusuchen!


Mehr zum Roman hier: Moose, Farne und Glückspilze / Leserunde lovelybooks

(Quelle: aufbau)