Kammern des Schreckens

Dienstag, 3. Dezember 2013

Auf einen Kaffee mit Yeats

Als ich heute im Englisch-LK laut Widerwillen äußerte und am liebsten meinen Kopf auf die Tischkante gehauen hätte, war der Grund folgender: Wir fangen schon wieder mit Poems an. 
Schon im Deutschen kann ich mir kein Metrum merken und dieses ganze andere Zeugs, dieses Zeugs mit den komischen Bezeichnungen. Auf Englisch ist es das gleiche in Rot (Rot deshalb, weil in der fünften Klasse meine Englischhefte immer rot sein mussten). 

Gut möglich, dass ich nicht gerne Gedichte analysiere, weil ich selber so schlecht darin bin, welche zu schreiben. In der Grundschule war es ja noch legitim, Haus-Maus-Reime zu benutzen. Und meinetwegen in der Rapperbranche, siehe Bushido.

Trotzdem. In das Gedicht des Iren William Butler Yeats habe ich mich direkt verliebt. Nachdem ich glaubte, es verstanden zu haben. Das heißt, nachdem ich begonnen habe, möglichst viel zu interpretieren - meinetwegen auch nach einiger Überinterpretation. 

Wäre der Typ nicht seit einiger Zeit tot, würde ich mich gern auf einen Kaffee mit ihm verabreden. Einfach, um ihn zu fragen, was er wirklich in seinem Gedicht "The Second Coming" meint. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass ein Poet einfach schreibt, was sich am besten anhört - und nur ein klein wenig von dem, was man am Ende im Dortmunder Englisch-LK interpretieren muss, entspricht auch den Vorstellungen des Autors.

Hier sein Gedicht (kopiert aus Wikipedia):

                                           



Man muss es sicher ein paar Mal lesen, um es zu verstehen - oder das auch nur zu glauben. Ich für meinen Teil kann es nicht durchlesen, ohne eine Shakespeare-Theaterstimme im Kopf zu haben. 
Gibt es jemanden, der weiß, was Yeats meint, ohne dass dazu irgendwie gegoogelt werden muss? 
Für mich geht es um die Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Yeats beschreibt den schlimmen Zustand der Welt.
Er vergleicht "The Second Coming", was im Allgemeinen für die Wiederkehr Christi am Ende der Welt, also für Hoffnung steht, als einen Kontrast mit dem seiner Meinung nach bevorstehenden Weltuntergang - bei dem nicht Christus, sondern ein Monster nach Bethlehem kriecht, um diesen einzuleiten.
Ich finde besonders spannend, dass es so wirkt, als sähe Yeats den Zweiten Weltkrieg kommen - womit "Second Coming" ja ebenso gemeint sein könnte. Wie auch immer. Wir sind ja nicht im Unterricht!

Dieses Gedicht war jedenfalls das, was mir vom heutigen Tage am meisten im Kopf hängen geblieben ist. Deshalb der Post dazu. In Zukunft werde ich mich wohl öfter mit Yeats beschäftigen!