Kammern des Schreckens

Samstag, 7. Dezember 2013

Alles hat ein Ende, nur der Regenbogen hat zwei

Cecelia Ahern: Where rainbows end 

(Für immer vielleicht)


Originalversion:
      Übersetzung:




Alex und Rosie sind beste Freunde, seit sie denken können, und auch im Erwachsenenalter lassen sie einander nicht aus den Augen - selbst, als tausende Meilen zwischen ihnen liegen. So bekommen sie die (Fehl-) Entscheidungen und Wendepunkte im Leben des anderen mit: Ehen, Jobs, Kinder. Und sie merken, dass sie sich ein anderes Leben wünschen: Ein Leben miteinander. Dabei hat das Schicksal jedoch auch ein Wörtchen mitzureden ...


Da meine Leser Deutsch verstehen, glaube ich nicht, dass ich jetzt auch noch eine englische Zusammenfassung machen muss.

Diesmal rezensiere ich gleich zweimal dasselbe Buch - beziehungsweise vergleiche die Originalversion mit der deutschen Übersetzung

Bei beiden Ausgaben bietet die Form Abwechslung und Unterhaltung: Es wird jeweils in allem geschrieben, was irgendwie gesammelt, gedruckt oder gespeichert werden kann. E-Mails, Zettelchen, Briefe, Postkarten, Chats. Wenn ein Zettelchen beispielsweise nicht abgegeben wurde, verworfen wurde, ist alles durchgestrichen. So bleiben auch "geheime" Informationen nicht verborgen.

Das finde ich super. Es stellt authentisch dar, wie alles gesammelt wurde und nun durchgelesen wird. Es ist wirklich einmal etwas Neues! Man kennt ja schon Bücher, die aus Briefen bestehen, oder aus Tagebucheinträgen, aber davon hat man dann auch nach einer Weile die Nase voll, weil das Format und der Ton immer im Groben gleich bleiben. Wenn man aber ab und zu Chatprotokolle hat oder Zettelchen aus der Schule vorliegen hat, dann zaubert das einem ein ums andere Mal ein Schmunzeln ins Gesicht, weil der Schreibstil oft genau dem entspricht, was man von diesen Medien und von sich selbst kennt. Für Authentizität kriegt Cecelia Ahern deshalb einige Pluspunkte!

Was mir diesbezüglich an der Übersetzung besser gefällt, sind die Symbole am Rand neben dem Text. Es ist einfach übersichtlicher, wenn man durch die Abbildung eines kleinen Stifts oder Laptops oder @-Zeichens darauf aufmerksam gemacht wird, welches Medium für den Text, den man gerade liest, benutzt worden ist.

Die (Haupt-)Charaktere finde ich sympathisch und die Szenarien vorstellbar, wenn ich nicht sogar selbst schon ähnliches erlebt habe. Rosie und Alex als Teenager sind deshalb realistisch und witzig, als Kinder noch witziger und auch im Erwachsenenalter authentisch. Ich musste oft lachen, wurde aber auch ungeduldig, weil ich unbedingt wollte, dass sie zusammenkommen. Immer kommt etwas dazwischen! Da ist es echt verständlich, wenn man als Leser ab und an "so einen Hals!" bekommt. Und die Figuren zwischendurch anbrüllt. 

Da Cecelia Ahern eine meiner Lieblingsautorinnen ist, war ich natürlich voreingenommen; "Where rainbows end" hat mich trotzdem überrascht und natürlich keineswegs enttäuscht. Genauso wenig die deutsche Übersetzung, die ich erst hinterher gelesen habe. Christine Strüh, die Übersetzerin, bleibt sehr nah am originalen Wortlaut und zerstört auch meiner Meinung nach nichts von dem Humor des Originals. Das kommt ja doch recht häufig vor (zum Beispiel bei Harry Potter. Die Übersetzung ist toll und witzig und alles, aber erst im Original wird Rowlings ganzes Können klar, finde ich). Manchmal kann man natürlich etwas, was im Englischen witzig ist, nicht haargenau so übersetzen, dass es auch witzig bleibt. Das ist eben immer so mit Übersetzungen. Das ist auch  nicht der einzige Grund, weshalb das Original einen halben Punkt mehr erhalten hat.

Bei dem Cover gewinnt meiner Meinung nach das Original (Paperback). Es hat einfach etwas. Klar, kann man das nicht als Argument verwenden, das wäre ja als würde ich sagen "Ich mag es nicht" und die Aussage unbegründet so stehen lassen. Aber mal im Ernst, vergleicht doch selbst. Abgesehen davon, dass das Original etwas kitschig scheint: Findet ihr nicht auch, dass das deutsche Cover weniger liebevoll wirkt? Wäre "P.S. Ich liebe dich" nicht so populär, könnte man beide Bände sehr leicht miteinander verwechseln, weil einfach beide Male eine weiße Schrift auf Himmel-Hintergrund zu sehen ist, mit einem Bisschen Wolke. An sich mag ich das Cover ja, auch weil dann alle Ahern-Bücher etwas Einheitliches haben. Aber es gibt so viele andere Romane, die fast genauso aussehen. Ich finde auch nicht, dass das Cover allzu viel mit dem Inhalt in Verbindung gebracht werden kann.

Der Titel gefällt mir ebenfalls besser im Original. Er ist spezieller und romantischer, gerade weil "Für immer vielleicht" so leicht zu vergessen ist. Er ist eher Mainstream. In Verbindung mit dem Herz auf dem Cover erwartet man bloß einen gewöhnlichen Allerwelts-Liebesroman, und ich finde nicht, dass dieses Buch in eine solche Schublade gesteckt werden kann. Dazu ist es viel zu originell

Den Originaltitel merkt man sich eher. Vielleicht hätte man sich mehr daran orientieren müssen, und die Übersetzung dann "Das Ende des Regenbogens" oder "Am Ende des Regenbogens" nennen können ... Dann hätte man die beiden Versionen auch viel besser miteinander assoziieren können. Als ich die deutsche Version geschenkt bekam, hatte ich erst beim Lesen mein Déjà-vu.
Man kann das jedoch durch das Lesen des Klappentexts vermeiden, was ich bekanntlich nicht so gern mache. Also trage ich wohl selber Schuld. 


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Original in Sachen Cover und Titel vorn steht. Die Übersetzung hat ein netteres Schriftbild (Veranschaulichung durch Symbole). Somit gewinnt am Ende trotzdem das Original.

Fazit: Welche Version man auch wählt, man erlebt humorvolle Romantik, die das Lesen lohnenswert macht!


P.S. : Ich weiß, ein Regenbogen ist nicht mit einer Wurst zu vergleichen.

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Eine Leseprobe der Übersetzung findet ihr hier. Sie wird vom Verlag zur Verfügung 
gestellt. 

(Quellen: Harper CollinsFischer)