Kammern des Schreckens

Samstag, 15. März 2014

Ein Bussi für Bussi - aber nur auf die Wange.

Michel Bussi: Das Mädchen mit den blauen Augen




1980. Einen furchtbaren Flugzeugabsturz überlebt nur ein kleines Baby. Um wessen Kind handelt es sich? Zwei  französische Großelternparteien, eine sehr reiche, eine eher mittellose, kämpfen um Lylie. Privatdetektiv Crédule Grand-Duc wird angeheuert, und er sucht 18 Jahre lang nach dem endgültigen Beweis einer Verwandschaft. 1998. Ist dieser Beweis erbracht? Was hat es mit Grand-Ducs Selbstmord auf sich? Was hat Lylie, nachdem sie dessen Unterlagen las, zur Flucht getrieben? Zur Flucht wohin?
Verwirrung kann spannend sein, Verwirrung kann nerven. Der Roman des Bestsellerautors vereint beides: Stirnrunzeln und Schnappatmung, durch Sinnlosigkeit und Spannung hervorgerufen. Ist das sein Erfolgsrezept?

Klar wie Kloßbrühe ist, dass man diese originelle Geschichte nicht so schnell aus der Hand legen will. Perspektivwechsel und Rätsel, die es zu lösen gilt, nagen im Hinterkopf. Wie passt alles zusammen? Unglaublich, dass es Bussi bei dieser Verstrickung von Verrücktheiten noch gelingt, eine glaubhafte Lösung darzulegen. 
So viel sei gespoilert: Alle sind verrückt. Nichts ist, wie es scheint. Man misstraut allen irgendwann, und ob man Grund dazu hat, ergibt sich.

Die Figuren sind nicht immer so komplex, dass sie einem ans Herz wachsen würden. Es gibt jedoch welche, die aus dem Rahmen fallen, wobei mir jedoch spontan nur Malvina einfällt. Sie glaubt, Lylies Schwester zu sein und ist äußerlich sowie vom Verhalten ungewöhnlich. Psychisch krank, aber liebenswert. 

Die Hauptpersonen sind dagegen eher flach und irgendwie seelenlos.

Es ist kein schlechter Roman. Er hat was, und das macht einige Fehler wett. Der Schreibstil ist mir beispielsweise zu anspruchslos und steht im krassen Kontrast zu manchem Inhalt und mancher Wortwahl. Sprachlich gelingt dem Autor kein Kunststück, was vielleicht zu einem Teil, aber niemals gänzlich an der Übersetzung liegen kann. Und doch erreicht er so einen flüssigen Stil, der einem ein kurzes, aber dynamisches Leseerlebnis beschert. 

Fazit: Eine sehr originelle und spannende, aber auch auf seltsame Weise lieblose Geschichte.


(Quelle: Aufbau)