Kammern des Schreckens

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Sonntag, 2. November 2014

Von Männern, die nicht wissen, dass sie kahl werden

Haruki Murakami
Von Männern, die keine Frauen haben


Murakami, von einer ganz anderen und doch der altbewährten Seite.


Letztens habe ich in diesem Buch gelesen, während einer Vorlesung, und mir die Frage gestellt: Was für Probleme müssen Männer haben, die frauenlos sind?
Mein Blick wanderte über die vorderen Reihen, von Hinterkopf zu Hinterkopf. Viele maskuline Hinterköpfe beginnen bereits, licht zu werden. Fast schon richtige Glatzen, finde ich, ohne, dass die Kopfbesitzer es auch nur erahnen. Sie haben ja keine Frau, die sie von hinten sehen und darauf aufmerksam machen können. Aber ist das ein Problem, oder ein Umstand, von dem man möglichst lange nichts wissen möchte?

In wenigen Tagen wird Murakami der "Welt"-Literaturpreis 2014 verliehen, nicht nur dafür, dass er ebenso über Haarlosigkeit philosophieren kann, wie ich. Er kann, was man als guter Autor können muss: Welten erschaffen. Das macht er dann auf eine Weise, als sei er der literarische Salvador Dalí unserer Zeit.

Von Männern, die keine Frauen haben: Das klingt ja eher real, weniger surreal. Alltäglich sogar. Das sind beinahe die meisten der Geschichten. Sie handeln von Männern, die es so höchstwahrscheinlich auch gibt. Man liest, dann schaut man sich den Nachbarn an, der sein Bier stets einsam trinkt und nur zu duschen scheint, wenn es unbedingt nötig ist. Egal, wann oder wobei man ihn sieht. Dieser Mensch ist plötzlich ein Spiegel in eine andere Welt. Murakami macht's möglich, aber ich entschuldige mich hiermit bei all den Männern, die auch frauenlos wunderbar funktionieren. Metaphern leben nun einmal von Klischees.

Jede Geschichte ist geheimnisvoll. Man munkelt und will wissen, wie viel von dem beliebten Autor in den Figuren stecken mag, und, wenn überhaupt, welch seltsame, teils erschreckende Erfahrungen der arme Kerl schon gemacht haben muss. Immerhin, umso besser für den Interessantheitsgrad der Handlungen.
 Der für ihn typische, düstere Surrealismus ist präsent, sodass ein geübter Murakami-Gernleser nicht von diesem Werk enttäuscht sein kann. Dass die deutsche Version noch vor der englischen publiziert wurde, passt jedoch zu dem einzig negativen Punkt, der mich allerdings nur zu Beginn störte. Die Übersetzung wirkt gewissermaßen gehetzt, es wurde zunächst wenig auf einen abwechslungsreichen Wortschatz geachtet, viele Worte wiederholen sich. So, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Das gibt sich jedoch, man muss sich nicht einmal sonderlich dran gewöhnen.
(Betrunken ist man dann trotzdem schon. Oder fühlt sich Murakamis Schreibstil wie Betrunkenheit an? Wenn ich so darüber nachdenke, ja.)


Anscheinend wurde die Gelegenheit genutzt, mal eben auch der Literatur, dem Schreiben an sich und Vorbildern zu huldigen. Der Titel bezieht sich auf Hemingways Men Without Women.

Bemerkenswert ist diesbezüglich auch die Geschichte Samsa in Love, eine Umkehrung der berühmten Kafka-Erzählung Die Verwandlung: Hier verwandelt sich nicht Gregor Samsa in einen Käfer, sondern ein Käfer in Samsa. Wie würde sich ein Insekt fühlen, wenn es plötzlich mit den schrägen sexuellen Instinkten eines menschlichen Mannes konfrontiert würde? Liebe ist eine seltsame Angelegenheit, soll das heißen. Hinter all dem Alltäglichen, dem Gewohnten der Gefühle und des Körperlichen steckt stets etwas, das Lächerlich ist oder zumindest unbegreiflich. Immer neu. Vor allem kann der Schlag einen auch treffen, wenn die Welt um einen herum zusammenbricht (oder gerade dann). Die wahren Probleme und Interessen der Menschheit sind geschlechtlichen Ursprungs, könnte man meinen. Gleichzeitig ist es möglich, dass es sich hierbei einfach um eine faszinierende Geschichte der Faszination willen handelt. Die Interpretationen gefallen mir trotzdem.
[Seite 30] „Der zwischenmenschliche Umfang, besonders der zwischen Mann und Frau ist - wie soll ich sagen? - zu komplex. Verschwommen, selbstsüchtig, schmerzhaft.“
Dieses Buch ist Futter, wie ein nicht sättigendes, eher Lust auf mehr machendes Menü aus sieben Gängen. Ein bisschen Liebe zur Literatur, ein bisschen Liebe zu Frauen, ein bisschen Liebe zum Seltsamen, ein bisschen Liebe zur Liebe.
*  *  *
Verlag und Bildquelle: DUMONT
Erschienen am: 4.10.2014
Seiten: 254 (Hardcover)
ISBN: 978-3-8321-9781-0
Preis: 19,99€ [D]

Montag, 6. Oktober 2014

Die volle Ladung Sauerstoff


Hape Kerkeling
Der Junge muss an die frische Luft


Eine Persönlichkeit, das ist nicht gleich eine Person. Das sind alle Personen und alle Orte und jede Luft, die man im Leben jemals aufgesogen hat.  Hape Kerkeling würden viele Leute als die Persönlichkeit schlechthin bezeichnet. In seinem neuen Buch erklärt der Entertainer, aus welchem Holz er wirklich geschnitzt ist.

Nach dem riesigen und berechtigten Erfolg des - man könnte es folgendermaßen nennen - Pilgertagebuches Ich bin dann mal weg, welches nicht zuletzt auch in mir den dringenden Wunsch nach Jakobsmuscheln weckte, handelt es sich bei dem neuesten Werk um ein noch persönlicheres, um ein noch bewegenderes.
Die Reise nach Santiago de Compostela hinterließ Sympathie und Wohlwollen von allen Seiten, die vorliegende Schilderung intimster Anekdoten und Tragödien hingegen verdient zudem größten Respekt. Ich will im Grunde nicht allzu sehr in Bildern sprechen, aber man kann in der Tat behaupten: Dermaßen nackt hat man Hape Kerkeling noch nie gesehen.

Die literarische Qualität halte ich für vollkommen angemessen. Kerkeling ist kein hauptberuflicher Autor, er ist vor allem Entertainer. Nach der Lektüre will ich sogar behaupten, dass er schlicht und ergreifend auf menschlicher, weniger auf literarischer Mission ist. Dazu kann eine eigene Erfahrung kaum literarisch sein, denn literarisch, das heißt manchmal unecht.
Somit handelt es sich hier nicht um nobelpreisverdächtige Kunst im Sinne der Wissenschaft. Es finden sich tatsächlich einige durchaus poetisch anmutende Stellen, die mir glockenhell, aber keineswegs tinnitusartig in den Ohren klangen. Dann aber wiederholen sich Phrasen hier und da, manch ein Dialog hätte noch weiter ausgebaut werden können (aber auch, weil ein Kind, dem Schokolade angeboten wird, nicht mit einem einzigen Riegel zufrieden ist). Insgesamt eine ausgeglichene Leistung. 
Geschrieben wird einfach, wie der Schreiber ist, und das macht das Geschriebene umso sympathischer.

Außerdem würde einer Geschichte, die der Untermalung willen ausgeschmückt wurde, Maßgebliches fehlen: Authentizität; jene, die ich besonders an dem Jungen, der an die frische Luft muss, bewundere. Sie zeichnet auch jede einzelne Figur aus, die einem hier mehr oder weniger über den Weg laufen. Häufig meint man, bekannte Gesichter aus seiner Familie in ihnen zu erkennen; spezielle Rollen in der Verwandtschaft gibt es, die werden stets von derselben Art Familienmitglied besetzt, obwohl es niemandem zu gleichen scheint.
Als herausragende Eigenschaft veranschaulicht eine unverblümte Ehrlichkeit dem Leser, dass der Publikumsliebling zwar für ebendieses (das Publikum) geschrieben hat; sei es, um ihm Mut zu machen, Verständnis zu erzeugen, auch zur Unterstützung Kranker und als Hommage an die Menschen, die ihn geprägt haben - jedoch vermute ich auch, dass er das Buch zu keinem geringen Anteil ebenso für sich selbst geschrieben hat. Ein von-der-Seele-Schreiben, ein sich-selbst-Verdeutlichen. Gewissermaßen ein sein-Leben-vor-sich-Ausbreiten. 

Lustig sein ist eine seelische Bereicherung (und das sage ich, obwohl ich gar nicht lustig bin). Auf bemerkenswerte Art bekräftigt der Autor seine innige Liebe zum menschlichen Humor, die beim Lesen regelrecht Lebenslust verbreitet und glücklich macht. 

Nicht zu missachten ist auch folgende Botschaft an den Leser, etwas, das zumindest ich gelernt habe: dass ein Mensch, der zur öffentlichen Person gemacht wird, noch immer ein Mensch ist. Mit einer einzigartigen Geschichte, die nur eben diesem Menschen gehört. Jedermanns Geschichte kann erzählt werden und bleibt doch Eigentum dessen, der sie erlebt hat.

Direkt zu Anfang lachte ich, bis meine Sitznachbarn in der Bahn am liebsten den Platz gewechselt hätten. Nicht lang darauf weinte ich, als klebten frische Zwiebelscheiben zwischen den Buchseiten.
 Das ist es doch, worum es beim Lesen geht. Geschüttelt werden, und gerührt. Das schafft nicht einmal jeder fiktive Roman, gar nicht erst von Sachbüchern anzufangen, von arroganten Autobiographien selbsternannter Gandalfs. Mit diesem Buch beschenkt Hape Kerkeling sich selbst und die Welt.

*  *  *
Der Junge muss an die frische Luft
Erschienen: 06.10.2014
Verlag und Bildquelle: Piper
Seiten: 320 (Hardcover mit Schutzumschlag)
ISBN: 978-3-492-05700-4
Preis: 19,99€ [D]

Sonntag, 28. September 2014

So viel Leben passt in eine winzige Schachtel.

 Edward St Aubyn 
Der beste Roman des Jahres




Den diesjährigen Gewinner des Elysia-Preises, der normalerweise für Literatur vergeben wird, ernennt die wohl kompetenteste Jury überhaupt. Warum nur häufen sich die Probleme? Intrigen und Skandale, Beziehungen und Bindungen, Familiengeschichten und seltsame Zufälle erschweren die Wahl. Befinden wir uns hier in der Literaturbranche oder drehen wir Hollywood-Filme?
 Jeder Autor ist überzeugt von seinem Werk, bis auf Lakshmi Badanpur, deren Kochbuch es durch ein Missverständnis auf die Longlist geschafft hat. Und wessen Werk einfach unbeachtet blieb, der hat mit noch viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen: dem Ego eines jeden Künstlers und dem tödlichen Strudel der romantischen Liebe.

Auf den ersten Blick kommt Der beste Roman des Jahres daher wie die mit Abstand eleganteste Schachtel Zigaretten weit und breit. Auch sein Inhalt gleicht einem der schädlichen Zylinder, nur eben, dass er im Grunde vollkommen gesundheitsneutral ist, es sei denn, man vergisst das Essen und Trinken oder gar Atmen beim Verzehr der süchtig machenden Lektüre. 

Es handelt sich hierbei um eine unterhaltsame Satire, die mit überraschenden Wendungen, realitätsnaher und glaubhafter Komik, immer aktueller Thematik und zuletzt sogar mit einer gewissen (kriminellen) Spannung aufwartet. Dem Leser drängt sich angenehmerweise eine unbändige Lust auf, zu schreiben  - so hielt auch ich selbst mitten in der nächtlichen Atmosphäre stets einen Notizblock bereit, um eventuell die Lektüre zu unterbrechen, weil mir eigene, verrückte Ideen gekommen waren. Verschiedenste Facetten des Leser- und Schreiberdaseins werden beleuchtet, teilweise liest man Texte mit den Protagonisten mit, die (bezieht sich auf Texte und Charaktere zugleich) unterschiedlicher nicht sein können - eine genüsslichere Inspiration kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. 


Beinahe paradox ist die Liebe zum Detail, die raffinierte Handwerkskunst einer wie mit der Pinzette zurecht gerückten Geschichte, wenn man deren komprimierte Form bedenkt. Angemessene Längen, aber auch beabsichtigte Dynamik hängen gänzlich von der jeweiligen Figur ab, aus deren Perspektive der Leser die Welt gerade beobachtet. In dieser Hinsicht erinnert die spezielle Schreibweise fast Koeppens Tauben im Gras, nur in einer sofort verständlichen und bescheideneren Form, jedoch auch mit dem Fokus der Handlung auf ein öffentliches Event, welches außerdem durch die Anwesenheit aller bekannten Personen ein gewisses Chaos beherbergt. Soll heißen, dass an dieser Stelle die Tendenz zur Überforderung gegeben ist.

Der Autor beschäftigt sich mit der Frage nach dem Wesen der Literatur. Ist sie nicht schlicht und ergreifend Kunst? Sind nicht alle wirklich guten Romane Kunstwerke und somit aufgrund ihrer Einzigartigkeit unvergleichbar? Vielmehr spielt scheinbar bei der Erstellung einer Longlist alles andere eine Rolle: Politik, Geld, Macht, Sex, menschliches Versagen, Missverständnisse und nach einer äquatorlangen Kette auch irgendwann, beinahe unbedeutend: der ganz und gar eigene Geschmack. 



Über dieses Werk enthusiastisch zu behaupten, es sei der beste Roman des Jahres, käme einer Beleidigung gleich, die dreister nicht ausfallen könnte. Wer solch eine Lektüre für irgendeinen Buchpreis nominieren würde, wäre entweder bodenlos frech, oder aber hätte ihre hauptsächlichen Thesen nicht annähernd verstanden. 

Ich wage jedoch zu behaupten, dass ich für mich persönlich feststellen darf, in diesem Jahr nur wenig Vergleichbares gelesen zu haben. 



*  *  *

Edward St Aubyn, Jahrgang 1960, wuchs in England und Südfrankreich auf und lebt zur Zeit in London. Er ist Journalist und hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, am bekanntesten wahrscheinlich seine Melrose-Saga, in welcher tragische und traumatisierende Erfahrungen mit der britischen upper class verarbeitet wurden. Charakteristisch für den Autor ist sein effektvoller Sarkasmus.

Der beste Roman des Jahres
erschienen am: 01.09.2014
Verlag und Bildquelle: Piper
Seiten: 256 (Hardcover)

ISBN: 978-3-492-05435-5
Preis: 16,99€ [D]


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Samstag, 20. September 2014

Papier, das nach Erzählfreude duftet.

Alice Munro
Tanz der seligen Geister
Erzählungen


Irgendwann zwischen 1930 und 1950. Wann genau, ist doch egal. Im Grunde ist auch egal, wo genau (wenn man mal davon absieht, dass Hintergründe aus jener Zeit erzählungsspezifisch relevant sein könnten). Fünfzehn Erzählungen handeln davon, erwachsen zu werden und Selbstständigkeit zu erlangen, hinter die Fassaden des täglichen Lebens zu schauen. In ihrer Heimat wurde die Autorin mit dieser ersten Kurzgeschichtensammlung berühmt, erst vor wenigen Jahren kam die deutsche Übersetzung daher. Einfach so.

Stile unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, da steht das Geschlecht des Autors als Kriterium eher an einer hinteren Stelle.
 Bei Alice Munro, der letzten Literaturnobelpreisträgerin, macht es umso mehr aus. Jede Erzählung, auch wenn mal keine Frau Protagonistin ist, hat etwas umwerfend Feminines an sich. Womöglich ist es auch die grazile Feinheit, mit welcher jedes Wort an seinen optimalen Platz gerückt wurde. Oder ist es die noch lange nachhallende Stille im Anschluss an jede Handlung, beinahe wie der Vorwurf einer nachtragenden Erzählerin im Anschluss an ein klärendes Gespräch? Was das angeht, bin ich mir jedenfalls sicher: Man könnte einem eine ganz andere Geschichte vorlegen; nach wenigem Lesen weiß man genau, ob es sich um ein Munrosches Werk handelt.

Keine Action, kein Blutvergießen, kein großes Drama. Mit diesem Band hält man gewissermaßen eine Kostbarkeit in den Händen, einen Zeugen hoher, sehr, sehr hoher literarischer Kunst. Nietzsche hat mal etwas geschrieben. Also, eigentlich recht viel.
 Und ich kenne den genauen Wortlaut auch längst nicht mehr.
 Es ging um Schlichtes und Sensationelles, den Unterschied zwischen einem wahren Künstler und einem, der eigentlich gar nichts drauf hat - abgesehen von Zahnbelag vielleicht, aber der Witz ist veraltet und wirkungslos geworden. Ein Möchtegern braucht Sensationelles, Ungewöhnliches und vom Hocher Reißendes, denn nur dann gebührt seinem Schaffen eine Aufmerksamkeit: nur so betrachtet man überhaupt sein Werk. Ein wahrer Künstler ist aus dieser Phase bereits hinausgewachsen; ihm reicht der Blick auf die wesentlichen Dinge des Lebens, das Alltägliche. Daraus schafft er, was dem Möchtegern verwehrt bleibt. 

Alice Munro ist so ein Möchtegern. Reingelegt. Alice Munro ist eine wahre Künstlerin. Dass sie das einmal werden würde, ist schon in diesem Debütband, dessen Erzählungen erstmals 1968 zusammen erschienen sind, klar zu erkennen.
 Ich finde die Lektüre beinahe frustrierend, denn wie soll man jemals an ihre scheinbare Mühelosigkeit, ihre offene, widersprüchliche und doch vollkommen widerspruchslose Eleganz herankommen? Jede Geschichte ist federleicht und doch schwer genug, dass sie eines lauen Abends vom Himmel auf die trostlose Erde herabgeschwebt kam. So kommt es einem vor. Trotzdem hallt in ihnen das irdische Leben wider: Erwachsenwerden, Emanzipation, diffizile Verhältnisse, der eigene Stellenwert in Gesellschaft und Familie. Autobiografische Details (wie das Leben auf einer Fuchsfarm) garantieren eine ausnahmslos glaubhafte Szenerie.
 Was mich als Leser jedoch am meisten faszinierte, waren gar nicht mal die Erzählungen an sich. Hauptsächlich blieb mir hinterher die Liebe zu ihnen in Erinnerung, nach der die Buchseiten förmlich gerochen haben. Als gehörten sie alle zu einer großen Familie. 

*  *  *
Alice Munro; Tanz der seligen Geister.
Verlag und Bildquelle: S. Fischer Verlage
Seiten: 380 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-18875-8
Preis: 9,99€ [D]

Donnerstag, 11. September 2014

Zum Anbeißen

Richard C. Morais
Madame Mallory
und der Duft von Curry



Hassan erblickt nicht nur einfach das Licht der Welt, er erschnüffelt es. Nein, nicht wie ein Hund. Auch nicht wie Grenouille, nicht einmal annähernd. Also noch einmal von vorn: Als Hassan geboren wird, seine Sinne für die Welt geöffnet werden, untermalt der Duft scharfen Currys die Szene. Das prägt maßgeblich sein späteres Leben als Koch, ist aber keineswegs der Grund für sein unglaubliches Talent (er hat es einfach): ein seltenes Gespür dafür, was wirklich schmeckt und wie man es zubereitet. Zufällig treibt das Schicksal seine Familie aus ihrer Heimat und quer durch Europa, zu einer kulinarischen Reise der Extraklasse. Haften bleibt unser Protagonist in Frankreich, wo seine Gabe sich erst entfalten kann. Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Karriere.


Das Cover und die Form des Buches zum Film wirken gewissermaßen irreführend. Suggeriert wird offensichtlich eine Liebesromanze mit französisch-exotischem Touch. Das ist doch Quark. In Wirklichkeit geht es um viel mehr als das, in Wirklichkeit ist das Ganze sehr viel kreativer und auf keinen Fall derartig fad. Man kann da wirklich nur die Nase rümpfen. Das tue ich in diesem Augenblick sogar.
Mit interessanten und charmanten, oftmals eigensinnigen Charakteren bietet Madame Mallory und der Duft von Curry (auch: Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef) so viel mehr als ein immergleicher Nicholas Sparks. Nichts gegen Nicholas Sparks.

Der Roman hätte auch heißen können: Kochen mit Buchstaben. Wobei es sich weder um Buchstabensuppe noch um Russisch Brot handeln dürfte, denn das mag ich beides nicht. Ich werde paranoid, wenn mein Essen mir Botschaften sendet. Also: Kochen mit Buchstaben. Oder: Morais - ein Künstler. Wie man ein Buch schreibt, das beim Lesen Düfte absondert. Kleingedrucktes versichert dem Leser: Garantiert ohne Furz und Käsefüße.

Aber jetzt mal im Ernst. Selten passiert es mir, dass ich bei Beschreibungen von Düften, Lebensmitteln und Gerichten - in einem Roman, wohlgemerkt - Opfer einer übermäßigen Speichelproduktion werde.
Die Atmosphäre ist dicht und überaus plastisch. Als Leser wird man auf die Reise der indischen Familie mitgenommen und sieht die Orte so deutlich vor Augen, als ob sie wie in einem Videospiel vor des Lesers Nase generiert würden. Mit Geräuschen, Menschen, Gerüchen, mit der individuellen Stofflichkeit der Szene. Also doch eher ein Videospiel mit futuristischer Umsetzung.

Die vielen Zeitraffer und Ortswechsel können jedoch auch das Gegenteil bewirken, das kommt auf den Leser an. Wer eine Vertiefung braucht, eine Art Omnipräsenz von einem gewissen Ort und bekannten Gesichtern, der wird womöglich mit der Dynamik der Handlung nicht unbedingt warm. Tatsächlich wirkt das Geschriebene eher wie eine Biografie, wobei man nicht vergessen darf, dass jedes Leben ein Abenteuer ist. 

Dieses wird durchzogen von einer gehörigen Portion Familienzusammenhalt, einem kleinen bisschen Liebe und vor allem: Frankreich. Paris. Nach all den Eindrücken verschiedenster Orte hier einer, an dem die Geschichte auf ihre Art sesshaft wird. Ich halte nicht unbedingt viel von dem Mädchenfilm-Image von Paris, aber während ich mich quasi selber dort befand, liebte ich es. Einfach, weil Liebe hineingeschrieben worden ist. Während ich das hier abtippe, befinde ich mich selbstverständlich wieder außerhalb der Geschichte. Und bin auch kein Fan von Paris mehr. 

Der Fokus bleibt allerdings bei Hassans Karriere. Wer schnulzige Romantik erwartet, erhofft, muss rechtzeitig die Leiter von seiner siebten Wolke wieder hinunter zur Erde finden. Oder sie löst sich unter seinem Hintern auf. Dann könnte im Grunde alles passieren. Hinge von unzähligen Faktoren ab, zum Beispiel von der eventuellen Existenz von Schonern, Helm, sonstigem Körperschutz. Außerdem ist wichtig, worauf man fällt. Und, falls die Wolke sich über einem Ozean auflöst, der Grad der von dessen schuppigen und nichtschuppigen Bewohnern ausgehenden akuten Gefahr. Was sich kompliziert ausdrücken lässt, geht eigentlich auch einfach. Rosarote Brille ab, Horizont erweitern. Hat auch, wenn man darüber nachdenkt, einige Vorteile. Wenn man diese dann nutzt, wie eine plötzliche Lust, sich am Herd zu versuchen, können die passenden Rezepte im Anhang des Buches eine Inspirationsquelle darstellen. 

Resümierend sollte man froh sein, dass dieser besondere Roman verfilmt worden ist. Welch ein Sakrileg, verschwände er im Sumpf der vergessenen Geschichten.
 Wenn man ihn ausgelesen hat, fühlt man sich so satt wie nach einem üppigen Mahl. Zufrieden satt. So zufrieden, dass man die oberen Knöpfe seiner Hose öffnen und seinen irgendwie riesig gewordenen Bauch liebevoll betätscheln will. Ein tolles Buch. 

*  *  *
Erschienen am: 11.08.2014
Verlag und Bildquelle: Piper
Extras: farbige Filmbilder, Rezepte im Anhang
Seiten: 400 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-30620-1
Preis: 9,99€ [D]

Alternativ: Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef (keine Filmversion)
Erschienen am: 12.11.2012
Verlag: Piper
Seiten: 400 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-30132-9
Preis: 9,99€ [D]

Montag, 28. Juli 2014

Ein unvergleichliches Meisterwerk

Haruki Murakami
1Q84
1+2



Das hier hat nichts mit dem einfachen Entschwinden von Realität zu tun, auch nicht mit dem Vermischen mehrerer. Und wenn man glaubt, der einen Realität zu entschwinden, weil man in den Sog einer anderen gerät, was sind die Informationen wert, die man in mühseliger Lebenszeit angehäuft hat?

Eine Liebesgeschichte über Zufall und Schicksal, über die vielen Facetten eines Urteils, über die Macht einzelner Wesen über andere. Ist unsere heimliche, intime und ganz eigene Realität womöglich ebenso real und offensichtlich wie die uns bekannte? Ich will keineswegs eine genaue Beschreibung der Handlung geben. So ist sie mit der wirklichen Unvorhersehbarkeit unseres Lebens vergleichbar.


Das beste Buch, das ich seit langem, langem gelesen habe.

Ich glaube kaum, mit einer Bewertung diesem Werk je gerecht werden zu können. Genauso hoffe ich inständig, dass meine Überschwänglichkeit ihm nichts von seinem Zauber nehmen wird.
Längst ist Murakami kein Geheimtipp mehr. Ich schäme mich beinahe dafür, dass ich erst durch einen Wink meiner ehemaligen Deutschlehrerin auf ihn aufmerksam geworden bin.
Spätestens seit der Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki sollte eigentlich jeder den Autor kennen, von dem viele Stimmen bedauern, dass er den Literaturnobelpreis nicht bekommen hat.

1Q84 ist nicht nur, wie vorschnelle Zungen laut werden lassen, schlicht eine Hommage an Orwells 1984: 
Es ist, als würde die Zukunftsvision aus der Vergangenheit ihre Klauen verschränken mit der Vision einer parallelen Realität von der Vergangenheit - aus der Gegenwart. Und sogar der Sex, der meiner Meinung nach bei übermäßigem Vorhandensein in Romanen ein Risikofaktor ist, schafft es, unaufdringlich zu sein, nicht nach Aufmerksamkeit zu heischen, obwohl er durchaus präsent ist und die vorherrschende Atmosphäre in bestimmte Bahnen lenkt.
Alles greift irgendwie verworren ineinander über, verworren und doch mit so perfekter Zielgenauigkeit, dass man das Unbehagen eines Beobachteten fühlt.

Die Charaktere sind echt, davon bin ich überzeugt, es muss sie wirklich geben: Wie sonst könnte ich ihren Atem im Nacken spüren? Sie sind anwesend und ich lerne sie kennen, wie sie auch mich kennenzulernen scheinen. 
Es geht eine düstere Faszination von den ersten beiden Teilen aus, und trotz vieler Wiederholungen werden die Augen nicht satt. Das Gehirn ebenso wenig. Und was sonst noch so eine Rolle spielt. Sicherlich auch die Nieren.

Die Erwartungen liegen nun verdammt hoch, was den dritten (und letzten) Teil betrifft. Vielleicht verderbe ich hierdurch auch vielen zukünftigen Lesern den Spaß am Roman. Das meinte ich eben mit der Überschwänglichkeit. So viel sei also gesagt: Dieses Buch ist echt mies, kauft es trotzdem.

*  *  *
Verlag und Bildquelle: btb
Erscheinungsdatum: 10.09.2012
Seiten: 1024 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-442-74362-9
Preis: 14,99€ [D]


Montag, 30. Juni 2014

Binewskis erstürmen wieder Herzen

Katherine Dunn
Binewskis
Verfall einer radioaktiven Familie



Die Binewski-Kinder sind aufgrund ihrer erzwungenen Andersartigkeit das große Kapital ihrer Zirkusfamilie. 
Wer ein Star werden will, braucht das nötige Potenzial. Ist ja immer so. Papa Binewski ist selbsternannter Freizeitarzt, immerhin kennt er sich gut genug mit allen möglichen Substanzen aus, die gerade eben so lebendige Babies aus dem Leib seiner Frau hervorkommen lassen (jedoch auch nicht immer). Schönerweise entspringen ihr keine lästigen Normalos, denn gesetzt wird auf möglichst überraschende Gliedmaßenzahl, am liebsten deren vollkommene Abstinenz. Wenn aber ein Frischling keinerlei Besonderheiten aufweist als einen Buckel und Albinismus, ist das schon einigermaßen enttäuschend. Jenes trifft auf die Erzählerin zu, Olympia, die wenigstens eine angenehme Stimme hat, mit der sie die Nummern ihrer Geschwister-Sternchen anmoderieren kann. Ihre ganz persönliche Geschichte ist die Geschichte der Binewskis, ähnlich jener der Buddenbrooks, eine Erzählung von Aufstieg und Zusammenbruch. 

Ich verwechselte den Nachnamen unserer einzigartigen Protagonisten mit Aldous Huxleys Bokanovsky-Geburten, wobei Parallelen nicht wegzudenken sind. Immerhin handelt es sich bei dem Nachwuchs um absolute Wunschkinder, mal mehr, mal weniger. Ab und zu nicht freakig genug, trotz augenfälliger Besonderheiten. Katherine Dunn entwickelt den Begriff der Schönheit neu in seiner ganzen Abstraktion und Widerwärtigkeit.

Die Autorin lässt hinterfragen, was im Grunde schon immer hinterfragt worden ist, und doch auf eine ganz neue Weise, allen voran Moral, Schönheit, Selbstwert. Und was es sonst noch gibt. Ich habe keine Vorstellung davon, welche Bereiche mit dieser überwältigenden Geschichte insgesamt angesprochen werden. Ebenso bin ich mir sicher, dass es zu subjektiv würde, fühlte ich mich doch so direkt angesprochen und bei der Schulter gefasst, als wäre dieser Roman nur für mich. Womöglich ist er für jeden anders. Pervers, widerlich, genial, kurios, bunt, trist, milchig, säuerlich. Wie auch immer. Für meine Version trifft alles zu.

Die Originalausgabe wurde vor einer halben Ewigkeit bereits mit grandiosem Erfolg veröffentlicht, galt jedoch bisher als unübersetzbar. Ich will gar nicht erst wissen, wie viel durch die Dolmetscherei verloren gegangen ist, ich bin einfach froh über dieses Werk und die Möglichkeit, es auch auf Deutsch lesen zu können. Es handelt sich ganz offensichtlich um eines der ungewöhnlichen Sorte, aber nicht nur, weil möglichst viele schräge Anomalien hineingespritzt worden sind, sondern, weil trotz überwältigender Andersheit ganz sensibel an der Leserwahrnehmung herumgespielt wird. 

Hinter einfacher Sprache steckt komplizierte Komposition. Zeitwechsel zwischen Glanz und Abfall erfrischen die Atmosphäre, paradoxerweise, und erwecken den Eindruck eines großen Geheimnisses, an welches Schritt für Schrittchen herangeführt wird. Der Leser weiß schon, was in etwa passiert sein muss, jedenfalls im Großen und Ganzen, aber er wird feinfühlig verunsichert, um am Ende mit der Nase ans wirklich Große gestoßen zu werden. Und dieses wirklich Große ist wie ein fünfköpfiger Drache mit Eselsohren und Rollschuhen an jeder Kralle, der seine Mäuler aufreißt, Wasserfontänen spritzen lässt und im Kanon brüllt: Du hast es eben nicht gewusst.

*  *  *

Verlag und Bildquelle: Berlinverlag
Seiten: 512 (Hardcover + Schutzumschlag)
ISBN: 978-3-8270-1072-8
Preis: 22,99€ [D]

Montag, 12. Mai 2014

Analytisch, schockierend, abwägend, antreibend, umwerfend

Juan Pablo Cardenal | Heriberto Araújo
Der große Beutezug
Chinas stille Armee erobert den Westen




Ein Rachefeldzug gegen den Westen, noch immer aus den Wunden des Opiumkrieges blutend?

Großherzigkeit gegenüber Schwellen- und Entwicklungsländern, die dringend Chinas Däumchen für Infrastruktur brauchen? Fest steht, dass Chinas Einfluss sich enorm verbreitet, und schon wir W(r)estler sitzen mit im Boot, scheinbar gefesselt und geknebelt, oft mit einem undurchsichtigen Band, um unseren Kopf gewickelt, unser Augenlicht unnütz machend. 

Es ist nicht nur der Tiger in Sibirien, der seinesgleichen frisst, weil es keine Eichen mehr gibt, die das Wildschwein fressen könnte, welches wiederum vom Tiger gefressen würde - es sind auch Ikea und die westliche Gleichgültigkeit, wenn es um echtes Handeln geht. In Deutschland ist man empfänglich für Skandale und kann wie selten ein anderes Volk über die Verantwortlichen schimpfen. Aber wer denkt schon daran, an sich selbst etwas zu ändern, um wirklich etwas zu bewirken?
Es ist nicht nur der böse chinesische Panda, der die Welt erobern will - dahinter steht ein menschliches Volk mit individuellen Schicksalen, Kämpfern gegen Regime und Willkürherrschaft.
Wenn wir unseren Planeten, seine natürlichen Ressourcen und die Leben unzähliger misshandelter Arbeiter schützen wollen, wäre schon das bewundernswert: Wenn wir unsere Augenbinden abnehmen und versuchten, uns gegenseitig die Fesseln zu zerreißen. 

Die beiden Spanier schaffen Bemerkenswertes: Ganz und gar ohne Seriosität einzubüßen, verwandeln sie von Zeit zu Zeit ein Sachbuch in einen Thriller und wieder zurück. Eine (Rück-)Metamorphose, die nicht nur eine gewisse Anerkennung gegenüber den Autoren vertieft, sondern auch einen andersartigen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlässt. Die Sicht auf die Welt, globale Ereignisse und Gegebenheiten wird geschärft, wenn auch mit dem Fokus auf mögliche chinesische Interaktion: Da hat China sicher seine Finger mit drin!

Als ich für zwei kurze Wochen Tourist in China war, oder Austauschschülerin, oder eine Marionette der chinesisch-deutschen Freundschaft, bekam ich denselben Eindruck wie die beiden Autoren, was insbesondere die fehlende Transparenz der Chinesen angeht. Bei den Schülern war es wie ein unverschuldetes Unwissen, bei den Dolmetschern, Direktoren, Lehrern jedoch schien es mir ein durchdachte Strategie zu sein. Während die Chinesen uns gegenüber vollkommen undurchsichtig sind, bewerkstelligen sie es, uns für sie zu einem offenen Buch zu machen. Der Dolmetscher verstand Deutsch sehr viel besser, als er vorgab, es sprechen zu können. 
Kleinste Informationen, so unwichtig sie uns erscheinen mögen, erreichten in Lichtgeschwindigkeit die Ohren der Einflussreichen. 

Wir schliefen (manchmal) in den besten Hotels, erfuhren den besten Service, und doch wirkte es nicht gastfreundlich. Lag vermutlich an dem gruseligen, prüfenden Blick, der stets auf allem lag, was die seltsamen Westler so taten. Als die jungen Chinesen in Deutschland waren, konnte plötzlich jeder, selbst das Mädchen, dessen Familie sich keine Dusche leisten konnte,  über Tausend Euro für Uhren aufbringen, vermeintliche Geschenke für die Familie. Mag sein, dass extra für diesen Augenblick gespart wurde (jahrzehntelang), es kann aber auch sein, dass das Image Chinas im Westen ebenso beeinflusst wird wie im fernen Osten. Von ganz oben.
Und doch täuschte all das nicht über die enorme Armut im eigenen Land hinweg, verbunden mit einer ebenso enormen Arbeitskraft - paradox?

Genauso konsequent vermied es zumindest meine chinesische Mitbewohnerin, irgendwie Kontakt zu westlichem Sein zu bekommen - abgesehen vom Bier, von dem sie dachte, dass auch dreizehnjährige Deutsche ihn wie Wasser trinken. Was wohl in manchen Städten zutrifft, aber davon ist hier nicht die Rede. Ich weiß schon, dass meine Ansichten mit Vorurteilen behaftet sind, die meine Meinung beeinflussen.
  Mein Abschweifen sollte verdeutlichen: Chinas Elite ist auf Macht und Einfluss aus. Überall; auch im Westen. Auf persönlicher Ebene ist das durch geplantes Schauspiel zu beobachten. Der große Beutezug beleuchtet das Thema auf einer globaleren, sehr wirtschaftlichen Ebene, die jedoch auch für einen Wirtschaftsunwissenden wie mich durchaus lesens- und begreifenswert ist. 

Fast jeder Buchautor, egal welchen Genres, steckt oft Jahre in seine Projekte, wenn man beispielsweise auch die Recherche miteinbezieht. 
Die Autoren sind europäische Journalisten und leben in China. Das reicht für gewöhnlich schon für eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die Arbeit, die in diesen Enthüllungen steckt, auch wenn diese nicht ganz unbekannt waren, ist unfassbar. Wie oft hätte man die Señores einfach erschießen und dieser gefährlichen Recherche ein Ende bereiten können? Und wie oft wäre es beinahe dazu gekommen? 

Zahlreiche Interviews, ein Beleuchten beider, positiver sowie klar negativer Seiten, Mut zum Risiko zeichnen den Informationsfluss aus. Manchmal fühlt es sich nicht wie ein Sachbuch an. Wie schon erwähnt, eher wie ein Thriller, der unterschiedlichste Gefühle, vor allem aber Wut auslöst. Manchmal wirkt es wie ein Reiseführer oder ein Roman, in welchem Orte und Momente und Menschen sehr persönlich, fast poetisch beschrieben werden. Detaillierte Anmerkungen vertiefen die unterschiedlichsten Themenbereiche und verlocken den Leser zu weiterem eigenen Nachforschen. In ihnen wird wiederum die Gründlichkeit der Journalisten widergespiegelt. 

Ich habe ja tatsächlich jede einzelne Anmerkung durchgelesen und mir fiel auf: Es gibt ja schon so viel Literatur zu dem Thema. Ich kannte nichts davon.
 Jeder Autor muss diese mindestens kleine Hoffnung in sich tragen, die Welt aufmerksamer machen zu wollen, vielleicht ein wenig zu verändern. Ich muss zugeben, ich habe nicht die geringste Ahnung, ob sich inzwischen wirklich etwas verändert hat (und wenn doch, dann weiß ich nicht, ob zum Guten oder Schlechten oder einfach anders). Eines weiß ich. Dass ich dieses Buch einfach jedem empfehle, egal, wie teuer es ist und egal, wie wenige Leser sich wirklich für Sachliteratur interessieren.
Ich bin nur eine einzige Person, aber ich habe das Buch gelesen, wurde wütend, habe meinen Eltern und Freunden davon erzählt und diesen vermutlich viel zu langen Text geschrieben - vielleicht hat es sich dafür schon gelohnt.



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Erschienen am: 3.02.2014
Verlag: Hanser
Seiten: 390 (Hardcover)
ISBN: 978-3-446-43871-2
Preis: 24,90 € [D]
Bildquelle: Hanser (hier geht es auch zu Autoreninformationen)
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Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich noch einmal herzlichst bei:


Samstag, 5. April 2014

I ♥ 12 Years a Slave (aber ich will kein Sklave sein)

Solomon Northup: 12 Years a Slave

( EINE WAHRE GESCHICHTE )


Er ist schwarz und als freier Bürger New Yorks geboren. Solomon Northup ist gebildet, talentierter Geiger, hat eine harmonische Familie. Betrüger schaffen es, sein Vertrauen zu erschleichen und ihn hereinzulegen. Hereinlegen klingt da noch harmlos: Sie bringen ihn zur Ohnmacht, entledigen ihn seines ganzen tragbaren Besitzes, machen ihn zu einem Sklaven. Sein Name lautet nun Platt, und keiner darf wissen, wer er wirklich ist. Ein neues, völlig anderes Leben beginnt für ihn. Er lernt verschiedene Facetten des Sklavenlebens kennen: seltener Respekt, gütige Herren, aber auch die häufiger vorkommende Spezies des Schlagenden, Beängstigenden. Peitschenhiebe, Strafen für Lobenswertes. Erst nach zwölf Jahren erfolgt die Rettung, doch die verlorene Zeit mit ihrem Vater kann den Kindern nicht zurückgegeben werden.

Freiheit, Demokratie, Gleichheit, das Recht, nach Glück zu streben. Der American Dream in seiner ursprünglichen Form bestimmte auch im Jahre 1841 das Leben des Solomon Northup, in dem Jahr seiner Entführung. Noble Ideen in einer meiner Meinung nach absolut defizitären Ausführung. Der Traum ist heutzutage ohnehin nur noch eine Farce, doch war er es damals nicht erst recht? Denn für einen Sklaven, oder schon einen freien Schwarzen, gilt Freiheit auf eine andere Art, häufig gar nicht. Einem Sklaven ist es verboten, sich zu bilden, verboten, nach Glück zu streben (ihm bleibt das Glück, welches sein Besitzer ihm lässt). Und von Gleichheit will ich gar nicht erst anfangen. Rassismus ist aktuell und wird es immer bleiben. Wenn wir alle dieselbe Hautfarbe hätten, dann würden solche diskriminiert, die kleiner oder zu groß wären, oder die sonstwie anders sind. Ich begreife diesen Teil im Großteil der Menschen nicht, dieses empörte Unverständnis jedoch ist der Wegbereiter für die Gefühle, die Northup durch sein bescheidenes Schreiben im Leser weckt. 


Natürlich weiß man nicht, wie viel von dem, was man liest, wirklich wahr ist. Die wichtigen Hintergrundinformationen gibt Northup, während er auf deren Nachweisbarkeit und Richtigkeit besteht. Ob er jedoch wirklich der Held war, wie das von ihm gezeichnete Bild manchmal zu verstehen gibt, wird man nicht herausfinden können. Und doch glaube ich ihm, denn es geht nicht darum, was bis ins Detail Fakt ist. Menschen sind und waren schon immer zu Grausamem fähig, das ist Fakt. Diesem speziellen Menschen ist Grausames widerfahren, auch Fakt. Darum geht es in dieser Geschichte, die ein Appell an Menschlichkeit und wahrer Gerechtigkeit ist. Sie beschreibt den innigen Wunsch, die Würde eines Menschen zu ehren und zu achten. Was auch immer Northup verschwieg, es gehörte ihm und seiner persönlichen Würde.

 Bald zweihundert Jahre später und doch kaum Besserung im Menschen, wenn überhaupt. Trafficking (Menschenhandel) nennt sich beispielsweise die Gräueltat, die häufig in Afrika stattfindet, aber auch in anderen Teilen der Welt: Ahnungslose Kinder werden auf ihrem Weg zur Schule verschleppt, damit sie auf Kakaobohnenplantagen pflücken, bis sie nicht mehr können. Sklaven auf die altmodische Art, zu einem modernen Zweck. Die Schokolade, die mit diesen Bohnen hergestellt wird, findet sich zumeist in unseren Supermärkten und letztlich unserem eigenen Magen wieder. Sind wir somit nicht auch auf eine Weise Sklavenhändler?


Trotz ernsten Themas bleibt der Lesespaß um des Lesens willen nicht außen vor. Mit viel aufgeklärtem Verständnis, philosophischen, traurigen, aber auch schönen Momenten tastet sich die Geschichte sanft ins Leserherz. Besonders nachdenklich stimmt folgender Gedanke: Es gab auch Herren, die gütig waren, bei denen man als Sklave großes Glück hatte, zu arbeiten. Und doch blieb die Abneigung, denn es ist trotz alledem von Grund auf falsch, Herr über andere Menschen zu sein.


Ein Widerspruch bleibt jedoch, eine Unstimmigkeit, die mich nicht loslässt. Northup sieht die Gleichheit in allen Menschen, Tiere jedoch schließt er aus. Es ist eine Sache, über die sich streiten lässt, aber meiner Meinung nach steht der Mensch auch nicht über den Tieren, genausowenig wie über anderen Menschen. Keinerlei Zögern verspürt Northup, mit der Peitsche die Hunde zu schlagen, von denen er denkt, sie würden ihn ansonsten an einer Flucht hindern. Mag sein, dass die Tat unvermeidlich hätte sein können, wenn nicht gar lebensrettend. Trotzdem hätte ich bei der humanen Denkweise des Mannes wenigstens ein wenig Unbehagen erwartet. Trotz der Zeit, in welcher er lebte. Dieser Widerspruch reicht jedoch nicht aus, dem Roman einen Stein ins Getriebe zu legen.

Spätestens seit den letzten Oscars ist der Film zu dieser wahren Geschichte in aller Munde. Ich habe den Film noch nicht gesehen, freue mich aber über seine Reputation - so erhält das Leben des Solomon Northup die Anerkennung, die Bekanntheit, die ihm gebührt. 

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Erschienen am: 17.02.2014
Seiten: 288 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-30614-0
Preis: 9,99€ [D]

Für Leseprobe, Bestellmöglichkeit,
weitere Informationen:




Das war der erste Roman, der mir auf Anfrage direkt vom Verlag geliefert wurde, und ich finde: Ein perfekter Anfang! Ich bedanke mich hier nochmal herzlichst beim Piper-Verlag.


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Donnerstag, 27. März 2014

Kein Fantasy, aber Drachen

Douglas Adams / Mark Cawardine: Die Letzten ihrer Art



Den Biologen Mark Cawardine und Douglas Adams, Autor von weltberühmten Werken wie Per Anhalter durch die Galaxis , zog es zu den aussterbenden Tierarten unseres Planeten. Ebenso faszinierend und emotional wie amüsant schildert Adams seine Erkenntnisse und Erfahrungen, auch mit den sehr unterschiedlich zu beurteilenden Zweibeinern der jeweiligen Orte.

Ein Sachbuch mit dem Gewissen Etwas.

Fiktive Geschichten können vieles. Sie können einem die gesamte Emotionspalette aufs Gesicht kleben. Und doch sind sie eines: Fiktiv.
Ein olles Vogelei kann ebenso bewegen. Und wenn es auch ewig her ist, dass Douglas Adams seine Reise zu den bedrohten Tierarten unseres Planeten beendet hat, seine Funde erschrecken, erleuchten, verzaubern, faszinieren umso mehr, auch heute. Schließlich sind einige Jahre vergangen und man fragt sich: Wie geht es den Populationen heute? Gibt es sie noch? Was ist mit den Menschen, die sie zu retten versuchten - wenn sie überhaupt noch leben?

Die Letzten ihrer Art gehört zu den absoluten Lieblingsbüchern meines Biolehrers. Und auch, wenn man Empfehlungen seiner Lehrer so gut wie nie trauen kann (jedenfalls meiner Erfahrung nach), zog es auch mich zu dem Reisebericht, der fast schon ein Roman ist, und der mit einer eindrucksvollen BBC-Produktion einherging. Im Bildteil finden sich ebenso faszinierende wie persönliche Fotos mit teils lustigen Bemerkungen, die ich beim Lesen immer wieder anzuschauen gezwungen war.

Ich muss beschämt zugeben, Per Anhalter durch die Galaxis noch nicht gelesen zu haben. Sobald ich mir jedoch wieder erlaube, Bücher nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu kaufen, werde ich das nachholen. Ich befürchte, dass diesmal weder Evolution noch Artenschutz im Vordergrund stehen werden, was Themen sind, die wie für meinen Geschmack geschaffen zu sein scheinen. Trotzdem lernt man einen so speziellen Humor kennen, dass er einfach eine Adamsche Eigenheit sein muss, die man auch in seinen bekannteren Werken wiederfinden wird. 

Dieser Roman hat einen bei mir wirklich seltenen Wert, wieder und wieder gelesen zu werden. 

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Originaltitel: Last chance to see
Erschienen: 1.11.1992
Verlag: Heyne
Seiten: 272
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-453-06115-6

(Quelle: Heyne)

Samstag, 15. März 2014

Wenn man sucht, aber nicht weiß, ob man schon gefunden hat, was man sucht

Emma Healey: Elizabeth wird vermisst





Maud leidet an Alzheimer. Erinnerung und Jetzt verschmelzen, wobei das Jetzt ein Ort ohne Erinnerung ist.

Wo ist ihre Freundin Elizabeth? Auf diese Frage reagiert Mauds Umfeld seltsam. Keiner scheint ihr auf ihrer Suche behilflich sein zu wollen: Notizzettel sind ihr einziger Hafen, ihre einzigen Anhaltspunkte.
Und was hat es mit dem Verschwinden ihrer Schwester Sukey auf sich, eine Suche aus früher Vergangenheit, die sie nochmals durchlebt?

Realitätsnah beschreibt Emma Healey das Schicksal einer Frau, die ohne Gestern lebt. Aber auch das Schicksal derer, die diese Frau bedingungslos lieben, wie ihre Tochter Helen, und die sich in ihrer Aufgabe, sie zu pflegen, ganz verlieren. Es ist eine Geschichte wie unverändert dem wahren Leben entrissen, und doch so eigen, so wertvoll, dass es eben doch nur eine Geschichte ist. Und mehr als eine Geschichte.

Healey schreibt aus der Perspektive einer nicht unwesentlich älteren Person und wirkt durchgängig authentisch. Mehr noch. Man fühlt sich als Leser unglaublich alt, man identifiziert sich mit der sympathischen Protagonistin und weiß nicht, ob man Mitleid oder Selbstmitleid empfindet.
Die talentierte Autorin schreibt mit einem sanften Einfühlungsvermögen, direkt und doch verschleiert. So erreicht sie auch die allerverstecktesten Emotionen: Wut auf die, die nicht helfen. Freude an purer Liebenswürdigkeit einiger Figuren. Sorge um Maud, und um alle Beteiligten.

Elizabeth wird vermisst appelliert an Familienzusammenhalt, an wahre Freundschaften. Durch den Verlust geliebter Menschen, durch die Verwirrung, die in der Leere entsteht (ob man nun krank ist oder gesund), wird der Wunsch nach diesen Kräften umso dringlicher.

Und so ergibt sich, dass Tränen im Augenwinkel nisten. Weil die Hilflosigkeit, die Verzweiflung so traurig, die Individualität und bittersüße Situationskomik jedoch auch traumhaft komisch sein können. Wenn man sich auf beide Seiten einlässt, wird man durch eine spannende Geschichte getragen, die ihren ganz eigenen, erinnerungswürdigen Charakter hat.

Die junge Debütautorin schafft, was gefeierte Bestsellerautoren nicht immer erreichen: Ihr Roman bewegt, unterschwellig sowie offensichtlich, und man wird sich nach dem Lesen immer an ihn erinnern. Vorausgesetzt, man teilt nicht Mauds Schicksal - und doch bin ich mir beinahe sicher, solch eine Lektüre bliebe auch in ihrem Gedächtnis, für immer.

(Quelle: Lübbe)

Samstag, 1. März 2014

Man nennt mich Käfer. Mist - Käfer.

Franz Kafka: Das Urteil / Die Verwandlung


Vater verurteilt Sohn zum Tode des Ertrinkens. Und der Sohn? Er folgt dem. Ein anderes Mal geht es um Gregor Samsa, der Handlungsreisender ist, und sich in einen Käfer verwandelt. Grotesk ist das richtige Wort, um diese Geschichten zu beschreiben. Und irgendwie doch ... real. Realer, als was man sonst manchmal liest.

Verstehe ich? Verstehe ich nicht? Beim ersten Lesen wohl eher letzteres. Ich habe nicht einmal sofort mitbekommen, wann wer das Zeitliche gesegnet hat. Ist der jetzt tot oder wie?, habe ich mich gefragt und musste das Ganze nochmal überfliegen. Aber das war keineswegs nervig. Nein! Es war - ist! - spannend, Kafka nicht zu verstehen. Das jedenfalls ist das Resumé, welches ich gezogen habe, nachdem ich diese meine ersten Erzählungen von Kafka gelesen habe. Und ich kann es kaum erwarten, mehr zu lesen.
Herrje, hab ich schon von meinem Resumé verraten, obwohl die Rezension erst angefangen hat? Dann wird sie wenigstens nicht zu lang.

Besonders die Erzählung um Gregor, der sich in einen Käfer verwandelt, ist so surreal, dass sie beinahe realer als die Wirklichkeit scheint. Ist es nicht der Blick von ganz woanders her, der besonders klar ist? 
Mit einer tragischen Ironie und doch Distanz, wie durch einen dünnen Schleier, entführt Kafka und schärft zugleich den ungewohnten Blick auf das Wesentliche.

Fazit: Ein neuer Favorit, der noch einige Male gelesen werden muss, aus Hoffnung, Verstecktes zu finden.

(Quelle: Fischer)

Montag, 24. Februar 2014

Bloody, bloody, Zombie-Buddy

S. Jonathan Davis: 900 MEILEN



900 Meilen trennen John von seiner hochschwangeren Frau. Diese Meilen werden bevölkert: von Zombies. Er ist auf dem Weg zu einem ominösen Ort, errichtet vor Jahren zur Flucht vor einer womöglich nahenden Apokalypse. Nun ist sie allgegenwärtig, und wer Geld und Hoffnung hat (oder eines von beidem), versucht, Avalon zu erreichen. Im Kampf gegen die Untoten entwickelt John sich zum Killer. Zwangsläufig. Wird er die Geburt seines Kindes noch miterleben?

Was ist ein Menschenleben wert, wenn man zurückkommt, um zu töten?

Der erste Zombie-Thriller meines Lebens war eine angenehme Überraschung, die mir blutige Träume beschert hat, in denen ich Gehirne mit einem Stuhlbein spaltete und selbst zum Helden meines persönlichen Horrors wurde. Das heißt, dass ich entweder psychisch gestört bin, oder einfach ein verdammt gutes Buch gelesen habe.

900 Meilen bedient sich großzügig aus der Zombie-Klischeekiste, ohne lächerlich zu wirken. Die dynamische Handlung und konstante Spannung ziehen den Leser vom ersten bis zum letzten Moment in ihren Bann. Und wem das Abschlachten von Untoten zu stupide wird, der wird seine intellektuelle Freude an der Avalon-Gesellschaft haben, die interessant durchdacht ist (wenn sie auch einige Lücken aufweist, aber mehr sei dazu nicht gesagt). Ein gesundes Maß an Gesellschaftskritik bringt eine Würzung in das Ganze, was ich nicht Suppe nennen will, weil Suppe einfach nicht befriedigend ist, wenn man mit stechendem Hunger nach Hause kommt. Mama, wenn du das hier liest: Das gilt natürlich nicht für deine Werke!

Wenn die Welt untergeht, ist die Wortwahl egal. Umso authentischer wirkt der sehr umgangssprachliche Schreibstil des Autors, der um "Sackhaaresbreite" am Niveaulosen vorbeizieht. Dieses Wandeln an der Grenze zur Geschmacklosigkeit macht den Reiz des Thrillers aus, macht ihn so brillant.
Fazit: Ich bin seit 900 Meilen Zombie-Horror-Fan und freue mich schon auf die versprochene Fortsetzung!

(Quelle: LUZIFER-Verlag)