Kammern des Schreckens

Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. Februar 2014

Da braucht man nicht argwöhnisch zu sein!

Jenk Saborowski: Argwohn



Paul Regen, der übrigens Regen hasst, steht kurz vor seinem Karriere-Aus als Hauptkommissar. Ein einzelner Arm, in Formalin getränkt, könnte seine letzte Chance sein. Zur selben Zeit findet ein Anschlag auf das geheime ECSB-Gebäude statt, bei dem einige Agenten getötet werden. Solveigh Lang macht sich mit ihren engsten Kollegen auf die Suche nach dem Verräter und findet sich tief im Sumpf organisierten Verbrechens wieder. Und fern, in einem Dorf Moldawiens, träumen die Freundinnen Ioana und Lila von dem Glanz Europas ...

In Saborowskis dritten Werk vereinen sich schreiberisches Talent und gezielte, solide Spannung. 
Der Titel verrät nichts. Da es sich um einen Thriller handelt, ist man diese Einwort-Titel schon gewohnt. Argwohn. Das könnte auch der Universaltitel der meisten Thriller sein - und doch hat er was!


Amüsante Wortspiele, die jedoch nie albern wirken, Charaktere, die durchdacht sind, Szenerien, die glaubwürdig sind. Perspektivwechsel, die die Spannung erhöhen und für Abwechslung sorgen, wobei man niemals Probleme hat, sich zu erinnern, wer denn gerade dran ist. Ein Psychopath, der auf einer grausamen Mission ist. Was will man mehr von einem Thriller?

Bei einem so soliden Buch weiß ich nie viel zu schreiben. Mir fallen kaum Kritikpunkte ein. Und was an einem Thriller gut ist, hat er meist mit jedem anderen guten Thriller gemein. Argwohn beschert spannende Lesestunden, wird mir aber nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben. Außer vielleicht, wenn ich an Bücher denke, die in meiner Heimatstadt Dortmund spielen. Das hatte ich, glaube ich jedenfalls, noch nie. 

Ich kann hier eine eindeutige Empfehlung aussprechen, an jeden, der einen soliden (Agenten-)Thriller oder Krimi sucht! Vor allem, weil die Themen sehr aktuell sind und dem Leser gut näher gebracht werden. Abgesehen von dem, was man in den Nachrichten so hört.


Fazit: Ein gelungenes Werk, das sich zu lesen lohnt!



(Quelle: Piper)

Montag, 23. Dezember 2013

Ein Krimi im Thrillerpelz

Oliver Kern: Die Kälte in dir


Mitten im Hochsommer beginnt ein Serienmörder jenes blutige Spiel, das sein Überleben sichert. Er scheint es auf Übergewichte abgesehen zu haben, denen er Bauchfett entnimmt. Kommissarin Kristina Reitmeier ermittelt, und schwitzt sich dabei wohl fast zu Tode.  Sie scheint sich auch eher auf Letzteres zu konzentrieren.

Der erste Band der "Kristina Reitmeier"-Serie trumpft mit interessanter Thematik und gut durchdachten Charakteren. Die Kommissarin mag nicht unbedingt auf Anhieb sympathisch, ja für meinen Teil nicht einmal interessant wirken - trotzdem muss man zugeben, dass sie immerhin authentisch ist. Dadurch, dass man mit ihr nicht unbedingt den 08/15-Charmebolzen erfinden will, den man augenblicklich so sehr lieben muss, dass man sich übergeben will.


Ich muss sagen, dass ich noch nicht mit ihr warm geworden bin, weil ich mich häufig über sie geärgert habe. Der Leser ist ja gewohntermaßen ein wenig informierter als die Ermittler, trotzdem war die Tiefe meiner Stirnfurchen erschreckend. Ich hatte eher das Gefühl, ihr Chauffeur Daniel Wolf, der wenigstens einmal etwas riskierte, hätte das eigentliche kriminologische Gespür. Und dass dieses Reitmeier häufig gefehlt hat. Ich bin kein Experte, aber ich war überrascht darüber, mit welcher Konsequenz die Frau bei jeder Kreuzung in Richtung Holzweg abgebogen ist. Jedoch kann ich mir auch vorstellen, dass das realitätsnaher ist als diese Hochbegabten, die alle bewundern. Ich meine, in Deutschland sind die Kommissare wohl kaum alle schlauer als die Reitmeier. Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Was mich überrascht hat, war ihr Aussehen. Es passt so gar nicht zu dem Bild, welches ich mir zu Anfang des Krillers (Thrimis) gemacht habe. Ich sah vor meinem inneren Auge tatsächlich eine dickliche, männlich anmutende, ältere Dame. Vielleicht könnte man noch "cholerisch" hinzufügen. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob mir diese Kommissarin besser gefallen hätte als die echte. Aber ich tendiere eher dazu.

Den Titel "Thriller" verdient dieses Werk allerhöchstens in den letzten circa hundert Seiten. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Ermittlungsarbeit. Die Spuren scheinen immer wieder im Sande zu verlaufen, man vermutet wichtige Hinweise dort, wo es scheint, als würde der Weg zur Erleuchtung absichtlich und kaugummiartig in die Länge gezogen (wie dieser Satz - nein, schlimmer). Es ist keineswegs so, dass mir das Ganze nicht gefallen hat. Ich liebe beispielsweise Agatha Christie, Krimis machen mir Spaß. Vor allem, wenn nur selten aus der Täterperspektive erzählt und somit Freiraum für die Phantasie des Lesers gelassen wird. Das ist hier bis zu einem gewissen Punkt der Fall. Es bleibt Freiraum für den Hobby-Sherlock, bis ihm Einblick in die kranke Psyche des Mörders gewährt wird. Der Autor versteht es, an den richtigen Stellen Spannung zu erzeugen (wäre auch ein Armutszeugnis für den Thrillerautor, wenn nicht). Außerdem erinnere ich mich an effektvolle Bildkompositionen. Kern beschreibt hervorragend spezielle Momente, in die man sich fallen lassen kann. Er weiß, wie man durchdachte Atmosphären kreiert. Wenn von der Hitze im Auto die Rede war, konnte ich selbst förmlich spüren, wie mir der Schweiß die Stirn runterlief. Das sollte jetzt keinen Ekel hervorrufen; die Buchseiten sind fleckenlos.

Das Cover ist ein hervorragendes für einen Thriller. Dabei gibt es nichts zu kritisieren. Der Titel passt ebenso perfekt, obwohl er auf dem ersten Blick nichtssagend wirkt - wenn man bedenkt, dass gefühlt jeder zweite Thriller ähnlich betitelt ist. Man erinnere sich an den letzten Thriller, den ich rezensiert habe (zorneskalt).


Dem Leser fällt jedoch bald auf, dass der Titel passender nicht hätte gewählt werden können. Von der Aufmachung her kann man über dieses Buch wirklich nicht meckern. Man könnte höchstens nochmals anmerken, dass der Leser durch das Attribut "Thriller" ein wenig in die Irre geführt werden könnte. Ich weiß, dass das wohl kaum ein Kriterium ist, aber ich finde auch, dass das Buch außerordentlich gut riecht. 

Ich bin gespannt auf die Entwicklung der Kommissarin und ihrem Kollegen. Den nächsten Band der Reihe würde ich mir wahrscheinlich kaufen, denn als Krimifan kann man da keinen Fehler machen. Eine wirklich solide Leistung! Nicht der Oberburner, der einem noch Wochen später den Schlaf raubt, aber das wäre auch sicherlich nicht so gesund.

Fazit: Die Kälte in dir ist eine solide Empfehlung für jeden Krimiliebhaber. Wer die höchste Kunst des Thrillertums erwartet, wird jedoch enttäuscht werden.



Hier geht es zu den Leserunden bei Lovelybooks und Wasliestdu.

Weitere Informationen zu dem Buch findest du hier: Gemeinsam Lesen ~ Die Kälte in dir / Moose, Farne und Glückspilze.

(Quelle: Egmont-LYX)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Snack für zwischendurch

Ulrike Bliefert: Bitterherz


Ninas beste Freundin Sophie wird entführt. Zudem findet sie alle Kaninchen Kaprolaths, bei dem sie lebt, ermordet in ihrem Stall vor. Verdächtigt wird ihr neuer Freund Timo, der gerade auf Bewährung draußen ist.
Schritt für Schritt kommt Nina hinter die Geheimnisse, die ihre Nahestehenden hüten.

Es handelt sich hierbei um einen Thriller für Jugendliche. Das sagt einem ja schon, dass er nicht sonderlich „thrillerhaft“ sein kann – wirkliche Angst, Gänsehaut, Zähneklappern tun sich beim Lesen nicht auf. Spannend ist es jedoch ungemein! Ich gehöre, mit vielen anderen Buchbloggern verglichen, vermutlich eher zu den Langsamlesern, trotzdem habe ich nur wenige Stunden für Bitterherz gebraucht. Dabei dachte ich mir nur: „Laura, nimm dir eine Auszeit von den Klassikern, irgendwann brummt dir nur der Schädel. Lies mal wieder irgendein Jugendbuch.“

Die Charaktere sind im Allgemeinen nicht sonderlich überraschend. Im Grunde hat keiner ein perfektes oder normales Leben. Jeder hat irgendeine Leiche in seinem Keller – mehr oder weniger. Besonders mag ich die Figur Kaprolath – ein ehemaliger Schiffskoch, der sich zur Gewohnheit gemacht hat, wichtige Aussagen auf Russisch zu unterstreichen. Ich mag es, wenn Autoren sich so außergewöhnliche Figuren ausdenken.

Mir gefiel jedoch vor allem die Sprache der Jugendlichen nicht sonderlich, was zwei Gründe haben könnte: Entweder ist die Autorin zu alt, um zu wissen, dass heutzutage kaum noch ein Teenager „Kapiert?“ sagt (auch nicht 2011), oder in Berlin, wo sie lebt, ist das anders. Jedenfalls finde ich, dass auch solche Kleinigkeiten schnell dazu beitragen, dass die Dialoge weniger authentisch wirken. Ich hab mich schon früher immer darüber geärgert, wie Autoren im besten Alter sich die Jugend heutzutage vorstellen – sie bedienen sich meiner Meinung nach zu vieler Klischees.

Das Cover gefällt mir sehr, mit den stimmigen Farben und der netten Idee mit den Johannisbeerherzen. Vom Titel lässt sich zwar nicht wirklich auf den Inhalt schließen (ohne übermäßige Interpretationen), aber Bitterherz klingt gut und deutet auch irgendwie an, dass die Geschichte eine Liebe mit Hindernissen beinhalten wird.

Ich weiß nicht, ob das noch nachträglich verbessert wurde (bei mir liegt die erste Auflage 2012 vor), aber es gab auch ein wenig Verwirrung meinerseits, was das Schriftbild angeht: Wenn aus Sophies Perspektive erzählt wird, ist kursiv geschrieben. Ein paar Abschnitte aus ihrer Perspektive sind dann zwischendurch doch nicht mehr kursiv, sodass man zuerst denkt, es wird wieder aus Ninas Sicht erzählt. Das hat den Lesefluss ein wenig gestört.

Abschließend noch etwas Positives: Viele zentrale Themen werden aufgegriffen, ohne dass die Handlung überladen wirkt. Insgesamt hat man also ein abwechslungsreiches und somit unterhaltsames Leseerlebnis.

Fazit: Kein literarisches Meisterwerk, aber ein guter Snack für zwischendurch!


(Quelle: arena)