Kammern des Schreckens

Mittwoch, 1. Januar 2014

Krimiüberraschung!

Ralf Kurz: Tödlicher Triumph



In seinem dritten Fall jagt Kriminalkommissar Bussard einen Serienmörder, der das Grauen wie ein Spiel inszeniert. Man ist sich sicher über die Identität des Mörders, doch dieser ist höchstens so greifbar wie Luft. Und seine Taten werden immer schrecklicher.


Ich hätte mir diesen Roman vermutlich nicht in der Buchhandlung ausgesucht, wenn ich ihn nicht gewonnen hätte. Und das wäre wirklich traurig gewesen! Der Einband fühlt sich zart und matt an, was mir persönlich sehr gefällt. Das Cover hat zwar eine Art Independent-Charme mit der Powerpoint-Schrift und der ganzen Bildkomposition, aber der Klappentext wirkt irgendwie nichtssagend. Man darf mich nicht falsch verstehen, denn ich mag ja, wenn nicht zu viel verraten wird und meine das auch gar nicht. Man garantiert jedoch "Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite", was wiederum nicht so nervig wäre, wenn man sich nicht die anderen Empfehlungen im Anhang des Buches anschauen würde. Es gibt insgesamt sieben Buchempfehlungen, und bei dreien findet sich derselbe schnöde Werbespruch von wegen Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Hier also ein Tipp an den Verlag: Wie wäre es mit mehr Einfallsreichtum als Vorsatz für das Jahr 2014?

Ich will damit sagen, dass dieser Krimi als wirklich guter, wirklich spannender, gänsehautversprechender Roman auch ein entsprechendes Drumherum verdient hätte. Ich glaube jedoch, dass er das nicht unbedingt nötig hat, weil Tödlicher Triumph zumindest auf lovelybooks.de in aller Munde zu sein scheint. Und das mit einem überraschend positivem Ergebnis von nahezu voller Punktzahl (jedenfalls, als ich das letzte Mal hinsah).


Man wird direkt ins berühmt-berüchtigte kalte Wasser geworfen. Mag sein, dass man dadurch erst seine Zeit braucht, sich warm zu lesen. Ich selbst konnte erst ab etwa einem Drittel des Romans verschiedene Kollegen Bussards auseinander halten. Aber die sind ja auch nicht so wichtig wie er selbst. Er ist ... speziell. Man meint, den Autor in ihm erkennen zu können, jedenfalls die fast poetisch niedergeschriebene Faszination der Musik gegenüber. Bussard kann ein kaltblütiger Jäger böser Jungs sein. Doch mit seiner bodenständigen Art trägt er zumeist den weichen Kern spazieren. Er ist Kumpeltyp, Familienmensch und doch einsamer Wolf. Oder Vogel. Wie ein Bussard, der einsam durch die Lüfte segelt, um plötzlich mit erstaunlicher Präzision eine winzige Maus im Gestrüpp zu schnappen, mit Erfolg. Sein Name kleidet ihn perfekt. Fast schon zu perfekt.

Im Gegensatz zu gewissen "Thrillern", die einen eher gähnen als die Zähne klappern lassen, lässt dieser Roman einen zwischenzeitlich zittern. Die Nackenhaare sträuben sich. Und was die Schauderschublade sonst noch so hergibt. 
Kurz beschreibt Tatorte so detailliert, als würde er neben der Leiche im Wohnzimmer stehen. Man will möglicherweise nicht unbedingt, aber man kann nicht anders, als sich selber ebenso zu fühlen. Mit Kurz, Bussard und der Leiche im Wohnzimmer. Kein sonderlich romantisches Date. Ist ja auch keine Liebeskomödie.

Fazit: Ein nahezu perfekter Krimi. Mein erstes Highlight des Jahres.



Es gibt übrigens ein Werbevideo für den Roman ( *klick*) . Macht euch selbst ein Bild davon, ich finde es irgendwie 08/15. Es wird ein wenig aus dem Prolog vorgelesen, was ziemlich befremdlich klingt. Die Qualität ist nicht so super, aber ich schätze, der Gedanke zählt. Ob das für die Erwartungen an den Roman förderlich ist, sei dahingestellt. 

Hier geht es zur LovelyBooks-Leserunde. Wie gesagt fällt die Kritik zu Tödlicher Triumph sehr positiv aus.

Den Roman findet ihr auf der Seite des Wellhöfer-Verlags. 
Die beiden anderen Bussard-Fälle sind ebenfalls im Wellhöfer-Verlag erschienen:



Klicks auf die Links führen zur Website von Ralf Kurz, wo man auch Leseproben zu seinen Romanen findet.

(Bildquelle: amazon)

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Ergänzung vom 2.01.2014: Herr Kurz hat mir erklärt, der Klappentext stamme aus eigener Feder. Ups, hätte ich das gewusst ... 
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P.S.: Netterweise erfüllt der Roman mehrere Anforderungen der Lese-Challenge, an der ich teilnehme. Ich habe mich dazu entschlossen, ihn bei Punkt Nr. 20 zu verlinken. Bussard ist etwa 40 und somit mehr als 10 Jahre älter als ich.