Kammern des Schreckens

Montag, 3. Februar 2014

Als Gott den ersten Menschen schuf, er sich den Adam wafflig buk. (mit Sahne und Sauerkirschen)

Michael Grant / Katherine Applegate : Eve & Adam



Nachdem Eve durch einen Unfall förmlich zerstückelt und in Einzelteilen auf einem Krankenbett liegt, weiß sie noch nicht, dass ihr Heilungsprozess sehr von der Norm abweichen wird. Und sie weiß auch nicht, was hinter den Milliarden ihrer Mutter wirklich steckt. Die Fragen, die sie sich stellt, sind folgende: Wie stelle ich mir den perfekten Mann vor? Und wie übertrage ich diesen auf die neue Software, um Gott zu spielen, und ihn zu erschaffen?


Ich muss ja zugeben, dass ich ein kleiner Bio-Freak bin. Kein Genie, aber versessen. Also finde ich die Thematik, mit der in Eve & Adam umgegangen wird, hochinteressant. Gentechnik, Klonen, illegale Tests. 


Wie weit darf Forschung gehen? Heiligt der Zweck die Mittel? Wie nobel ist der Wunsch nach Rache? Wie nobel ist Perfektionismus?


Solche und natürlich noch viele weiteren Fragen wird der Hobbyphilosoph sich stellen. Und nicht nur der. Es handelt sich um einen dystopischen Jugendroman, der dermaßen flüssig geschrieben ist, dass auch desinteressierte Dummköpfchen auf philosophische Ideen kommen können. Viele meinen, es handle sich nicht um eine Dystopie: doch! Tut es. Dystopisch sind nicht nur durchgestylte fiktive Gesellschaften, auch wenn die in letzter Zeit so in sind. Besonders im Jugendbuch-Genre. Das nervt mich ja so, was hier aber nicht hingehört (trotzdem - immer diese Modeerscheinungen). Dystopisch, das bezeichnet auch, seine eigene Gesellschaft und Zeit zu hinterfragen. Wie viel Dystopie steckt in der Welt um mich herum? 

Auf dem Cover prangt ein Mädchenkopf, ein ausgesprochen perfektes Gesicht, das digital bearbeitet zu werden scheint. Das passt weniger zur Handlung, weil hier ein Mann erschaffen werden soll, der perfekt ist. Das Cover gewinnt jedoch Sympathie durch den semitransparenten Schutzumschlag, der sehr effektvoll ist. Jedoch trägt das nicht zur Bewertung bei. 

Das Autorenpaar hat ein kurzweiliges Leseabenteuer kreiert, das so kurzweilig ist, dass man sich teilweise wie in einem Lichtgeschwingkeits-ICE fühlt. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber meine schon. Von daher kann ich Eve & Adam wärmstens empfehlen. Wer jedoch darauf aus ist, etliche Details, bis in den kleinsten Pups ausgebaute Morallehren und ausgeklügelteste psychische Strukturen zu erleben, sollte die Finger davon lassen. Vor allem auch, weil man für das Geld nur wirklich wenige, kurze Lesestunden bekäme.


Fazit: Ein nicht ganz perfekter, aber interessanter Roman mit flüssigem Schreibstil und spannender Thematik.

(Quelle: Ravensburger)